Bosse aus dem Niemandsland

                                    Umarmung
Mein Bosse sitzt stolz und voll Erwartung vor mir. Unsere Blicke treffen sich wie zufällig. Rangbewusst schaust du zur Seite. Langsam gleite ich – nur einen Hauch von dir entfernt – in die Hocke, setze mich auf meine Waden und halte deinen dunklen Kopf ganz sanft in meinen Händen. Deine leicht mandelförmigen Augen locken mich wie braun-karamellisierte Bonbons. Dein schwarzes Teddybär-Schwämmchen springt mich förmlich an. Ich rutsche näher an dich und neige dein feines Gesicht vorsichtig etwas tiefer. Du legst, ahnend, was jetzt gleich kommen mag, deine weichen Öhrchen seitlich an den Kopf. Und schon schiebt sich meine Menschen­nase in das kurze Fell an deiner Stirn und nimmt die erste tiefe Brise Elo-Parfum in sich auf. Als könne sie nicht genug davon bekommen, sucht meine Nase nun ihren Weg zu dem langen Fell in deinem Nacken. Mit Hochgenuss sauge ich die ganze Hundewelt in mich hinein, atme tief und ruhig, unsagbar dankbar für diesen betörenden Augenblick… Da tasten sich meine kleinen Menschenhände, mit jeder einzelnen Pore spürend, ganz langsam vor zu deiner wunderbaren „Mähne“. Tief und tiefer vergraben sich meine Finger in diese unendlich scheinende Fülle. Sie halten sich fest, schütteln dich ganz sanft, um schließlich in ein angenehmes Graulen überzugehen. Du schließt deine schönen Augen. In kleinen, kreisenden Bewegungen massieren dich meine Finger, zupfen an dir und verharren in deiner Tiefe. Um uns Stille… Eine kleine, vorsichtige Bewegung holt mich sanft aus dem Zauber dieser herrlichen Umarmung. Sie sagt: „Hey, ich bin auch noch da!“ Da greife ich in meine Tasche und gebe dir gedanken­verloren deinen wohlverdienten Lieblings-Knabberkeks. Mit einem kleinen Klaps und einem gehauchten „Lauf“ gebe ich dich frei, unsagbar dankbar für diesen Moment, den du mir gütig geschenkt und geduldig ertragen hast.